Es begab sich aber zu der Zeit, als Rock’n Roll noch „Negermusik“ war, die zur Verrohung der Jugend und zum Niedergang des Abendlandes führen musste und die Politik und das Bildungswesen eher schwarz-braun vor dem Volk einher duckmäuserte, als ein junger Mensch namens Wolf Abromeit bei einem Volksschul-Kameraden der 3. Klasse eine auf’s Ohr bekam, und zwar die Platten dessen älterer Schwester, die schon leichten Brustansatz hatte und nach wildem Tier roch. Es war die erste Begegnung miteinem Musikstil, der das Leben des jungen W. nachhaltig verändern sollte. Der Rock’n Roll des Elvis P. war schon in Las Vegas angekommen, aber er hatte einen Ableger hervor gebracht, der die ursprüngliche Wucht der Grundsubstanz weiter transportierte, jener aber eine bis dahin noch nicht gehörte Dimension hinzufügte : musikalische und inhaltliche Intelligenz.Dieser erste Eindruck wurde von dem berühmten Quartett aus Liverpool ausgelöst, die ersten Titel waren z. B. „I’m down“,„Money“, „Eight days a week“ etc., die mit einer derartigen Wucht und Spielfreude beladen daher kamen, wie sie vorher einfach nicht zu hören war. Zudem kam noch das Aussehen dieser „Pilzköpfe“, das eine ganze Eltern- und Großelterngeneration um den Verstand brachte; hatte man doch eben erst das deutsche Wirtschaftswunder nach diesem grauenhaft verlorenen Kriege mit der eigenen Hände Arbeit zuwege gebracht, und sich selbst nichts als Verzicht und Entsagung gegönnt. Auf einmal kamen zuerst diese irren Lederjacken- Typen mit ihrem R’nR daher, die waren wenigstens noch Männer, und dann....

Schools in und vor allem: Schools out

...schmeisst sich eine ganze Generation weg, faselt von Aufbegehren gegen die Grundfesten deutscher Tugenden, keiner will mehr die Hände auf der Bettdecke lassen und wie die Tiere kreuz und quer miteinander wasauchimmerunsofort. ... Männer sind das ja auch keine mehr, lassen sich die Haare wie ein Weib, nee also, wenn’se wenigstens gepflegt wären, aber nein, wenn ich ihr Vater wäre, mit der Heckenschere täte ich... na ja, wenn’s euch nich passt, könnt ihr ja’rüber zu den Bolschewicken, in’s Arbeitslager würden die euch stecken, oder lass bloß noch mal 5 Minuten den „Adolf“ ran, dannaberkönntamasehn!!!!!!!!!!!!!!

Durch diese Niederungen deutschen Flachsinns gingen die Ersten, die sich die Haare wachsen liessen, eine runde Brille wie John L. trugen (das durfte in D-land seit Hermann Hesse keiner mehr!) und sich ständig dieses Gedudel in einer Lautstärke geben mussten, dass angeblich keiner mehr das eigene Wort verstand, was bei denen, an die jene unverständlichen Worte gerichtet waren, auch eben so ankam : Unverständlichkeit.

Der junge W. erlitt dann eben auch die unvermeidliche Vertreibung aus dem angeblichen Paradies der bundesdeutschen Nachkriegsrealität. Nachdem der Cellounterricht, der wohlmeinend 6 Jahre lang dem elterlichen Munde abgespart wurde nur zu Unmut und täglicher Auseinandersetzung führte (1/2 Stunde üben, oder du kommst nicht raus zu den Jungs), einer Gitarre zum Opfer fiel, die dessen Schwester zum 12. Wiegenfeste erhielt, ging es aus schulischer Sicht steil bergab.

Zwar war man unter Seinesgleichen ein absoluter Held, in den Augen der Pädagogen jedoch mindestens ein schwarzes Schaf.

Nachdem im zarten Alter von 14 Jahren die erste Garagenband mit 3 älteren Mitschülern und einem Gleichaltrigen gegründet war und die ersten kurzen Auftritte bei Schulfesten und Beatpartys beim CVJM stattfanden, entschloss sich die Schulleitung zu einem terminalen Schlag gegen diese Umtriebe derer, die langhaarig die bedrohte Ordnung ihrer Schule mit diesen „unteutschen“ Modeerscheinungen zum Wanken bringen wollten : am Schuljahresende wurden 8 Schüler unterschiedlicher Klassen „nicht mehr versetzt“, wie man es elegant formulierte.

Das Hippie Praktikum

Kurzfristig musste eine Lehrstelle gefunden werden, die sich aber nach einem starken halben Jahr als Untauglich herausstellte. Es folgte ein kleines Hippie- Praktikum mit herumtrampen und schnorren, was zu jener Zeit weit verbreitet war, unter Anderem durch den Song „She’s leaving home“ vom Sgt. Pepper Album der Beatles ausgelöst, in dem der heilen Welt der Eltern, die es immer nur gut meinten, der Rücken gekehrt wird, um die eigene Realität zu leben. Während dieser Zeit war die Gitarre immer ein Mittel, neue Leute anzusprechen, mit ihnen gemeinsam zu „Jammen“ und sich so musikalisch weiter zu entwickeln. Außerdem war es ein geniales Überlebensmittel, man wurde eingeladen zum Essen, zum Trinken, zum Übernachten undundund...

Die Beatles hatten sich dann aufgelöst wegen Yoko, der Zicke; Paul wurde ein Schnulzer, Ringo wurde nur von seiner großen Nase abgehalten, sich weiter in die Gläser zu beugen, George machte sein eigenes Eiapopeia, und John war total verstrahlt, es war keine leichte Zeit für Beatnick’s. Aber da war ja dann Woodstock, was soo viel Hoffnung machte mit seiner Botschaft, dass mit Love&Peace alles machbar ist, dass sich Gewehre in Butterblumen verwandeln, wenn wir uns alle nur recht lieb haben tun auf der Welt. Sind ein paar Leute ganz schön reich geworden mit der Verbreitung von diesem Feeling....

Die 70er brachten die Endlos- Gitarrensolos, die Musikindustrie hatte schnell dazugelernt und hatte den Laden mit den Superstars gut im Griff, die dann auch (fast) alle brav rechtzeitig ertränkten, erstickten und gegen Bäume fuhren, um so das goldene Kalb 2x zu melken. Der nun nicht mehr so junge W. machte seinen Zivildienst nach der Ausbildung zum Krankenpfleger, und verdiente sich ein kleines Zubrot in einem Musiklokal, das 2x in der Woche ein sog. Folksong- Meeting veranstaltete, bei dem die Künstler 3-4 Songs auf einer offenen Bühne spielen konnten und dafür 1-2 Getränke erhielten. Lief eine ganze Zeit ganz gut, hat sich dann aber totgelaufen, das Publikum strebte neuen Ufern zu. Die Festivals sprossen aus dem Boden, allüberall, man reichte sich zum alten Bürgerlied die Hände und tanzte barfuß durch die Sommernacht, auf der Bühne Heroen wie Hannes Wader, Zupfgeigenhansel und die heillos besoffenen Irish Bands, die gerne ins gelobte Gagenland kamen.

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