der Umbruch

Das große Blues- Revival Ende der 60er hat auch uns ergriffen, alte legendäre Musiker wie Muddy Waters und seine Kollegen wurden mit dem „American Folk- and Bluesfestival“ der Herren Lippmann& Rau durch die europäischen Metropolen geführt, wir lernten, dass die „Stones“ von dem alten Ur- Blueser Alexis Corner in London mit entdeckt wurden und ihre bluesigen Balladen einen sehr weit zurückliegen Hintergrund haben : Robert Johnson nahm die Urversionen schon 1929 auf, kurz bevor er ermordet wurde.

Kellerbands waren allerorten anzutreffen, alle träumten von einem Erfolg wie dem der Beatles und den Stones, aber die Instrumente waren fast immer unerschwinglich für Pennäler und Lehrlinge. Unerklärlicherweise hatten immer diejenigen, die am wenigsten „drauf“ hatten die besten und teuersten Instrumente; man musste oft einen absoluten Stümper in die Band aufnehmen, bloß weil er einen Gesangsverstärker hatte oder irgend ein anderes, dringend benötigtes Teil. Die begabteren Mucker machten einen Riesenwind, sie gaben ihrem Umfeld das Gefühl, nur Sie seien alleinberechtigt, den Ruhm und alle Weiber auf sich zu ziehen. Das Konkurrenzgehabe unter den Musikern war sehr ausgeprägt, was zum Teil aber auch Ansporn war, so gut oder besser wie der jeweilige Konkurrent zu werden.

Deutsche Liedermacher machten sich auf zur Burg Waldeck, dort trafen sich die Ersten, deren Inhalte durchaus politisch waren. Plötzlich war Musik nichts mehr Fröhliches und Erleichterndes, Interpreten wie Degenhardt, Biermann und Kollegen nutzten das bourgeoise Mittel „Musik“ zum Transport der politischen Inhalte, das Künstlerische selbst war nicht im Vordergrund.

Gleichzeitig kamen aber auch die Jungs der sogenannten „Berliner Schule“ mit „Insterburg&Co.“, Ulrich Rosski, Reinhard May undundund, die Wortwitz und Nonsens miteinander verbanden, Lied- Poeten waren gefragt, einerseits Tiefgang, andererseits total sinnlos.

Unterwegs mit Thommie Bayer

Einer dieser Lied- Poeten war ein künstlerischer Multi, er malte super, er schrieb Texte in einer sehr eigenen Art, die später sein Stilmittel werden sollte, und er war ein Musiker mit einer ebenfalls sehr eigenen Ausprägung, die er dann aber Anfang der 80er auf dem Altar des Erfolges opferte und verlies. Mit diesem Liedermacher hatte der junge W. mit 14 Jahren die erste Garagenband, ein 12- Watt Dynacord- Verstärker mit 5 Eingängen kam regelmäßig an seine Leistungsgrenze, 3 Tonbandmikrofone und 2 Saugnapf- Tonabnehmer waren echt zu viel. Wir sangen Beatles, Bee Gee’s, Kinks, Pretty Things und hatten 3-4 eigene Songs aus der Feder des späteren Folk- Pickers und Liedpoeten Thommie Bayer. Er trat Ende der 60er erst alleine mit Gitarre auf, bildete dann später ein musikalisch interessantes Duo namens

„Thommie&Tommaske“ mit sehr hochstehendem Fingerpicking und nahm seine ersten Platten auf. Als man mit dieser „Eine Gitarre, ein Sänger, eine grüne Wiese“-Kiste keinen mehr hinter dem Ofen hervor locken konnte, produzierte er in Köln ein Soloalbum mit Musikern der „Foodband“, das sehr gut ankam. Nach diesem Erfolg war es nicht mehr möglich, alleine mit einer Gitarre vor das Publikum zu treten, die Hörgewohnheiten des Publikums hatten sich verändert. Eine Band musste her, und er traf den gewissen W. wieder, mit dem er in der die erste Garagenmucke machte. Jener W. hatte gerade eine Zusatzausbildung abgeschlossen und war bereit zu neuen Taten. Wir übten bei mir im Kellerzimmer und gingen ab Sommer 1979 auf Tour. Anfänglich war es nur ein Trio, W. spielte ab da den Bass und ein junger Keyboarder aus Reutlingen bediente einen Halb- Synthesizervon Farfisa, Thommie spielte 6+12saitige Akustikgitarre, später wurde nach der Produktion von dem Album „Feindliches Gebiet“ der Drummer Uli Wagner und der Geiger, Flöter und Gitarrist Reinhard Bärenz, der heute noch Hannes Wader auf Tour begleitet, und der Tastenmann Tommy Mammel mit ins Boot genommen und binnen zweier Jahren ca. 300 Konzerte gespielt, ein weiteres Album „Kamikaze Bodenpersonal“ aufgenommen und Fernseh- und Radioshows gegeben. Danach war es zuviel für den da nicht mehr ganz jungen W., ständig unterwegs, zuhause soziale Auflösungserscheinungen, unterwegs immer die gleichen Songs und immer die gleichen Fragen beantworten; zuviel für einen, der merkt, dass er sein liebstes Hobby verkauft hat und keines mehr dann hat, wann er’s am Nötigsten gehabt hatte. h2>eins, zwei, drei und Zwischenspiel

Also, zurück in den Beruf, Alltag erleben.

100 % Job auf der Intensivstation mit allen physischen und psychischen Katastrophen, die sich Mutter Natur so ausdenken kann, da hilft nur Eines :

Musik, Musik, Musik ! Mit einem alten Bekannten aus Zeiten des Folksong- Meetings kam die Zeit des Jazz-rock. Neckarfront hieß das Projekt mit intelligenten, witzigen Texten aus dem Leben :“ Der Starfighter hat leider seine Bombe verloren, alle helfen suchen, das Rote Kreuz spendet Kaffe und Kuchen“....., oder über den berühmten Stadtschreiber, der die Strafzettel ausfüllt : ..“und der Kuli ist sein Colt“... Musikalisch anspruchsvoll und extrem zeitgemäß mit Querflöte und ersten Klangkollagen von Flipperautomaten-gedudel aus dem Walkman, sehr aufregend. Nach 2 ½ Jahren ging dann leider der Drummer, er war kaum zu ersetzen, die Band zerfiel, ohne je gute Aufnahmen gemacht zu haben. Danach weiter mit Deutschrock, gemischt mit Coversongs aller Art, „Electric Hedwig“ mit tollem Personal auf allen Instrumenten, das dann doch auch wieder der sog. „Tübinger Krankheit“ zum Opfer fiel, die darin bestand, dass sich die Musiker nach ihrem Studium einfach anderen Dingen widmeten und die Stadt berufsbedingt wieder verliessen. Viele musikalische Projekte sind auf der Höhe ihrer Möglichkeiten durch Wegzug von Gruppenmitgliedern vorzeitig gekippt.

Also, Konsequenz gezogen, keine Studi’s mehr in die Gruppen genommen, mit Eingeborenen und Berufstätigen gejammt, tolle Gruppen wie „Full House“ gehabt, die dann aber wieder von irgendwelchen Hormonellen Umtrieben zerlegt wurde, weil der Drummer mit der Sängerin, die vorher mit dem vorherigen Bassisten ein Kind hatte, obwohl sie sich nicht mehr abkonnten, und der dann ausstieg, um sich der Arbeit und den Kindern aus früheren Beziehungen zu widmen, trotzdem aber eifersüchtig war und den beiden Turteltäubchen das Lieben zur Hölle machte............................usw.

 

weiter zum Teil 3 - Country Blues Project bis Retired Soon